Forderungen des hessischen Handels an die Kommunalpolitik 2026
1. Innenstädte und Ortskerne stärken
- Investitionen in Aufenthaltsqualität, Sicherheit und Sauberkeit
- Kommunale Innenstadtfonds zur Unterstützung von Stadtmarketing, Veranstaltungen und Zwischennutzungen
- Einführung eines digitalen Leerstandskatasters und aktives Leerstandsmanagement
- Ausbau grüner Infrastruktur: Sitzgelegenheiten, Begrünung, Beschattung
2. Erreichbarkeit und Mobilität sichern
- Gute Erreichbarkeit der Innenstädte mit Auto, ÖPNV, Fahrrad und zu Fuß
- Erweiterung des Park+Ride-Angebots
- Vergünstigte Parkangebote in Parkhäusern, insbesondere samstags und in Randzeiten
- Logistikgerechte Verkehrslösungen (z. B. Lieferzonen, Mikro-Depots, Nachtlogistik)
- Verkehrsberuhigung ohne pauschale Fahrverbote oder Verdrängung des Individualverkehrs
3. Digitalisierung und Infrastruktur verbessern
- Flächendeckender Ausbau von Breitband und Glasfaser – auch in Gewerbegebieten und ländlichen Räumen
- Förderung digitaler Maßnahmen und digitaler Bildung im stationären Handel
- ·Einbindung des Handels in Smart-City-Projekte (z. B. bei digitalen Parksystemen oder Besucherlenkung)
4. Bürokratie abbauen, Rahmenbedingungen vereinfachen
- Vereinfachte Genehmigungsverfahren für Veranstaltungen, Außengastronomie, Mischnutzungskonzepte und Werbeanlagen
- Beschleunigung von Planungs- und Bauverfahren
- Keine wettbewerbsverzerrenden Sonderregelungen, z. B. bei Gebühren oder Ladenöffnungszeiten
- Unterstützung privater Investitionen durch Beratung und Förderung
5. Sicherheit und Sauberkeit erhöhen
- Verstärkte Präsenz von Polizei und Ordnungsdiensten in Innenstadtlagen
- Maßnahmen zur Verbesserung der Sauberkeit: Müllentsorgung, Reinigung, Graffitibeseitigung
- Keine regionale Verpackungssteuer – stattdessen klare Preiskennzeichnung für Verpackungen
6. Wirtschaftsförderung vor Ort stärken
- Starke kommunale Wirtschaftsförderung in enger Zusammenarbeit mit Handel und Gewerbe
- Einbindung des Handels in Stadtentwicklungsprozesse durch Beiräte oder ähnliche Strukturen
- Keine einseitige Förderung von großflächigem Einzelhandel außerhalb der Zentren
7. Nachhaltigkeit praktisch umsetzen
- Förderung energieeffizienter Maßnahmen im Handel (z. B. Beleuchtung, Kühlung)
- Klimaschutzmaßnahmen mit Augenmaß, ohne zusätzliche Belastung für kleine Betriebe
- Ausbau von Ladeinfrastruktur für E-Mobilität – auch in Innenstadtlagen
8. Weitere wichtige Themen
- Förderung von bezahlbarem Wohnraum, auch für Auszubildende und Studierende
- Ausbau von Kita- und Schulplätzen zur Sicherstellung der Betreuung
- Analyse und Behebung struktureller Schwächen im Bereich der Resilienz
- Unterstützung bei der Einführung und Akzeptanz europäischer Zahlungsmittel im Handel
Was der Handel braucht:
1. Innenstädte und Ortskerne stärken
Der stationäre Handel braucht attraktive Standorte mit hoher Aufenthaltsqualität. Investitionen in Sauberkeit, Sicherheit und eine angenehme Gestaltung des öffentlichen Raums sind dafür grundlegend. Kommunale Innenstadtfonds können gezielt Maßnahmen wie Stadtmarketing, Veranstaltungen oder kreative Zwischennutzungen leerstehender Ladenflächen finanzieren. Ein digitales Leerstandskataster und aktives Management helfen dabei, Leerstände zu reduzieren und neue Nutzungen zu ermöglichen. Auch grüne Infrastruktur – Sitzgelegenheiten, Schatten, bepflanzte Flächen – steigert die Verweildauer und damit die Kundenfrequenz.
2. Erreichbarkeit und Mobilität gewährleisten
Für den Einzelhandel ist eine gute Erreichbarkeit entscheidend. Kundinnen und Kunden müssen das Stadtzentrum problemlos mit Auto, ÖPNV, Fahrrad oder zu Fuß erreichen können. Park+Ride-Angebote sind auszubauen, Parkhäuser sollten insbesondere samstags und in den Randzeiten günstige Konditionen bieten. Gleichzeitig braucht es verlässliche logistische Lösungen – zum Beispiel Lieferzonen, Mikro-Depots oder die Möglichkeit nächtlicher Anlieferung. Verkehrsberuhigungen dürfen nicht zu Lasten des Handels gehen und sollten nur mit geeigneten Alternativen umgesetzt werden.
3. Digitalisierung und Infrastruktur ausbauen
Eine verlässliche digitale Infrastruktur ist Grundvoraussetzung für modernen Handel. Breitband- und Glasfaseranschlüsse müssen flächendeckend, auch in Gewerbegebieten und kleineren Ortszentren, verfügbar sein. Förderprogramme zur digitalen Transformation – etwa zur Unterstützung von Onlineshop-Anbindung, digitalem Kassensystem oder Kundenkommunikation – sind weiterzuführen und leicht zugänglich zu gestalten. Smart-City-Anwendungen wie digitale Parkleitsysteme oder die Auswertung von Besucherströmen sollten in enger Abstimmung mit den lokalen Handelsstrukturen entwickelt und umgesetzt werden.
4. Bürokratie abbauen, Investitionen erleichtern
Genehmigungsverfahren – etwa für Werbeanlagen, Außengastronomie oder Veranstaltungen – müssen unbürokratischer und schneller ablaufen. Auch bauliche Veränderungen oder neue Nutzungskonzepte brauchen verlässliche und zügige Entscheidungen. Maßnahmen zur Stärkung des stationären Handels dürfen nicht durch überzogene Auflagen oder uneinheitliche Regelungen ausgebremst werden – etwa bei Sondernutzungsgebühren oder Ladenöffnungszeiten.
5. Sicherheit und Sauberkeit verbessern
Ein gepflegtes und sicheres Umfeld ist eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Handel. Dazu gehört eine sichtbare Präsenz von Polizei und Ordnungsdiensten, insbesondere zur Vermeidung von Vandalismus, Diebstählen oder Belästigungen. Kommunale Maßnahmen zur Sauberkeit – etwa Müllentsorgung, regelmäßige Reinigung oder Graffitientfernung – sollten strukturell gesichert sein. Kommunale Verpackungssteuern lehnen wir ab. Sinnvoller ist eine verpflichtende, transparente Preiskennzeichnung von Verpackungen im Verkauf.
6. Lokale Wirtschaftsförderung stärken
Der Handel braucht starke Ansprechpartnerinnen und -partner in der kommunalen Verwaltung. Lokale Wirtschaftsförderungen sollten mit ausreichenden Ressourcen ausgestattet und eng mit dem Handel vor Ort verzahnt sein. Der Handel sollte systematisch in Stadtentwicklungsprozesse eingebunden werden – zum Beispiel über Beiräte, Arbeitsgruppen oder Innenstadtkoordinationsstellen. Eine einseitige Ansiedlungsförderung von großflächigem Handel außerhalb der Stadtzentren ist zu vermeiden.
7. Nachhaltigkeit praxisnah umsetzen
Auch der Handel leistet einen Beitrag zu mehr Energieeffizienz und Klimaschutz – etwa durch den Einsatz von LED-Beleuchtung, moderner Kühltechnik oder optimierte Logistik. Kommunale Klimaziele sollten dabei praxisnah und mit Augenmaß umgesetzt werden, ohne kleinere Betriebe zu überfordern. Der Ausbau von Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge – auch in zentralen Lagen – unterstützt alternative Transportmöglichkeiten und nachhaltige Mobilität.
8. Weitere wichtige Rahmenbedingungen
Handelsstandorte profitieren von einem funktionierenden städtischen Umfeld. Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum – auch für Auszubildende und Studierende – sowie eine zuverlässige Kinderbetreuung durch den Ausbau von Kitas und Schulen. Zudem sollten Kommunen ihre Krisenfestigkeit stärken, etwa durch die Analyse struktureller Risiken. Und: Der Handel sollte dabei unterstützt werden, mit europäischen Zahlungsdienstleistern zusammen zu arbeiten, um strukturelle Abhängigkeiten durch die Dominanz internationaler Dienstleister zu minimieren.
Stand: 26.03.2026 | 737 KB | PDF
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